„Unsere kontinuierlichen Investitionen zahlen sich aus!“

Im Rahmen eines Interviews erklärte Dr. Thomas Degen (Standortleiter der Kokerei Bottrop) Anfang 2021, wie wir als Industriestandort mit umfassenden Umweltauflagen umgehen, was genau es mit den Benzo(a)Pyren-Werten (BaP) auf sich hat und welche Verbesserungen wir bislang erzielen konnten. Die positive Entwicklung, die sich damals abzeichnete, hat sich im Laufe des Jahres verstärkt: 2021 waren die BaP-Werte auf dem geringsten Niveau aller Zeiten. Es ist Zeit für ein Update.

 

Herr Degen, die Aussichten für 2021 waren äußerst vielversprechend – haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Mehr als das! Die BaP-Werte befinden sind auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen – der Beweis, dass sich unsere kontinuierlichen Investitionen auszahlen. Wir können unsere Umweltziele langfristig einhalten. Darüber hinaus konnten wir uns auch in anderen Bereichen über großartige Erfolge freuen: Als einer der ersten Standorte weltweit haben wir die ResponsibleSteelTM-Zertifizierung erhalten und ich freue mich täglich über das engagierte und motivierte Team vor Ort, das mit Herzblut dabei ist. Durch unser kontinuierliches Engagement konnten wir auch das Verhältnis zu unserer direkten Nachbarschaft verbessern. Wir sind 2022 – mehr denn je – ein verlässlicher Partner auf allen Ebenen.


Welche Verbesserungsmaßnahmen stehen 2022 auf der Agenda?
Wir verfolgen einen langfristigen und nachhaltigen Verbesserungsprozess, daher stehen auch in diesem Jahr zahlreiche Großprojekte, Revisionen, Instandhaltungsarbeiten und Investitionen an – sowohl im Produktions- als auch im Gasaufbereitungsbereich. Die Inbetriebnahme einer neuen Entsäurerkolonne wurde am 07. April erfolgreich umgesetzt. Auch die erste Kampagne für 2022 der Endkopfreparaturen unserer Koksöfen konnte bereits abgeschlossen werden. Direkt nach Ostern startet die 2. Kampagne. Wir planen darüber hinaus beispielsweise den Bau eines neuen Ventilatorkühlturms und die Erneuerung von E-Filter-Waben. Für eine anstehende Neuberohrung eines Gasvorkühlers wurden bereits gut 8.000 Rohre eingelagert.
Ein externes Projekt, das uns in diesem Jahr begleiten wird, ist die Sanierung der Gaspipeline der Kokereigasnetz Ruhr, einem Unternehmen von Uniper. Die Instandsetzung hat direkte Auswirkungen auf unsere Kokerei: Bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten müssen wir daher unser Wasserstoff reiches Energiegas weiter über die Hochfackel verbrennen. Dabei bleiben zwar keine Rückstände in der Luft zurück, aber wir können das Abfackeln technisch nur für einige Stunden am Tag vermeiden. Weitere Details zum Projekt können Sie der Pressemitteilung entnehmen. Wir geben unser Bestes, um die Lichteinwirkung gerade in den Abend- und Nachtstunden möglichst gering zu halten. Sobald die Leitung wieder nutzbar ist, werden wir die Gasverbrennung über die Hochfackel beenden können.

Inbetriebnahme einer neuen Entsäurerkolonne

Neben technischen Verbesserungen spielt das Thema soziales Engagement eine große Rolle auf der Kokerei – welche Projekte sind hier geplant?
An oberster Stelle steht für uns derzeit die Unterstützung unserer ukrainischen Kolleginnen und Kollegen und der Menschen vor Ort. Zu sehen, was unsere Belegschaft in kürzester Zeit organisiert hat, um die Betroffenen mit Hilfsgütern und Einsatzgerät zu unterstützen, erfüllt mich mit großem Stolz. In Momenten wie diesen zeigt sich: Wir bei ArcelorMittal sind eine große Familie, die sich gegenseitig unterstützt und hilft, wo sie kann. Auch privat engagieren sich viele Mitarbeitende – nehmen Geflüchtete auf oder fahren selbst bis an die Grenzen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen nicht nur im Job sondern auch in sozialer Hinsicht volles Engagement. Das bewundere ich sehr.
Darüber hinaus spielt die Unterstützung in der direkten Umgebung eine große Rolle für die Kokerei: Eine Aktion, die uns schon lange begleitet, ist Restcent. Dabei spendet unsere Belegschaft die Cent-Beträge ihrer Lohn- und Gehaltsabrechnungen – also pro Person zwischen einem und 99 Cent pro Monat. Die einzelnen Cent-Beträge addieren sich bei den 450 Beschäftigten zu einer stolzen Summe – die die Unternehmensführung dann noch einmal verdoppelt. So kommen in der Kokerei pro Jahr ungefähr 3.000 Euro zusammen. Diese Aktion führen wir weiterhin fort. Derzeit sind wir in den Abstimmungen, an welche karitative, gemeinnützige und soziale Organisationen oder Projekte die Spendensumme dieses Mal gehen soll. Die Scheckübergabe findet an unserem Tag der offenen Tür am 21. Mai 2022 statt. Von 10 bis 18 Uhr öffnen wir unsere Tore für Jung und Alt und freuen uns auf einen schönen Tag mit unserer Nachbarschaft – wir freuen uns über jeden Besuch!


Wie geht’s langfristig weiter?
Beim Betrieb von industriellen Großanlagen stellen sich sichtbare Erfolge nicht nach wenigen Monaten ein. Die Verbesserungen wirken oft erst nach Jahren in vollem Umfang. Aktuell sehen wir die Erfolge der Investitionen der letzten knapp 10 Jahre. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wir werden uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen, sondern arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen sowie an dem Erhalt der Leistungsfähigkeit der Gesamtanlage.

  

Dr. Thomas Degen ist bei ArcelorMittal Bremen für den Produktionsbereich Kokerei zuständig. Seit 2014 ist er in verantwortlich Position bei der Kokerei Bottrop tätig und aktuell dort Standortleiter.